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Mit Mannala und Bredele: Advent im Elsass

Am 25. November, dem Tag der Heiligen Katharina, beginnt im Elsass offiziell die Weihnachtszeit. In dieser Zeit teilt sich die Region Elsass in sieben Länder der Weihnacht, das jedes für sich eine besondere Thematik aufweist und Dekorationen und Veranstaltungen daran anpasst. So gibt es das Land der Legenden, der Lichter, der Aromen, der Weihnachtsbäume, der Sterne, der Weihnachtslieder und -stoffe und das der Weihnachtsabende. Im Land der Weihnachtsabende, in der Gegend rund um Ungersheim, können Besucher zurück in eine ruhigere Zeit reisen und viel über die Weihnachtsbräuche im Elsass lernen.

Adventszeit im Elsass

Beschaulich geht es zur Adventszeit im Elsass zu.

Stille Beschaulichkeit im Ecomusée d’Alsace
Still und beschaulich ist die Advents- und Vorweihnachtszeit im Ecomusée d’Alsace, dem größten Freilichtmuseum Frankreichs in der Nähe von Ungersheim, etwa 30 Kilometer südlich von Colmar. Vor der Kulisse eines kleinen Dorfes erleben Besucher, wie sich die Elsässer des 19. und 20. Jahrhunderts auf das Fest des Friedens und der Freude vorbereitet haben. Wir sitzen bei Kerzenschein, duftenden Äpfeln und Nüssen um den großen Holztisch in einem typisch elsässischen Fachwerkhaus. 73 davon gibt es im Ecomusée und keines gleicht dem anderen. Fast alle haben aber eines gemeinsam: Sie standen einmal ganz woanders.

Fast komplette Rekonstruktion eines Elsass-Dorfes
Vorwiegend aus dem südlichen Elsass und dem Sundgau sind sie hierher transportiert und auf dem 100 Quadratmeter großen Gelände eines ehemaligen Kalibergwerkes wieder aufgebaut worden. Die Rekonstruktion dörflicher Infrastruktur ist fast komplett. Es gibt neben den verschiedensten Wohnhäusern eine Schule, eine Bäckerei, eine Schnapsbrennerei und eine Töpferei. Gegründet wurde das Ecomusée Anfang der 1980er Jahre mit dem Ziel, vom Abriss bedrohte Häuser zu retten und Besuchern Natur, Kultur und Geschichte näher zu bringen. „Ich könnte jede Woche noch zwei bis drei Häuser dazu bekommen“, erzählt der Direktor des Freilichtmuseums, Pascal Schmitt, schwankend zwischen Stolz und Wehmut. Doch man wolle erstmal „die Kirche im Dorf lassen“, allenfalls ein Rathaus könnte es vielleicht noch sein.

In der guten Stube am warmen „Kachelöffla“
Der halbwüchsige Junge an seiner Seite hält inne in einer Tätigkeit, die seine volle Konzentration fordert. Mit einer groben Nadel flickt er nicht  ungeschickt einen Jutesack und wirkt mit seinem Hemd aus derbem Leinen wie aus einem anderen Jahrhundert. Mit 20 anderen Jugendlichen gehört er zu den über hundert Freiwilligen, die den Museumsdirektor tagtäglich und tatkräftig dabei unterstützen, die Besucher des Dorfes in eine Zeit zu versetzen, in der man sich noch Zeit nahm. Etwa, um sich in der guten Stube am warmen „Kachelöffla“ Geschichten zu erzählen.

Freilichtmuseum im Elsass

Besucher lernen im Ecomusée d’Alsace elsässische Weihnachtsbräuche kennen.

Und dann stimmt die Runde „Petit Papa Noël“ an
Gerade ist der Dorfhausierer in die Runde gekommen. Als Fernsehen, Zeitung und Telefon noch unbekannt waren, zog er von Haus zu Haus, um das Dorf mit dem neuesten Klatsch vertraut zu machen. Mit hochroten Wangen und ausladender Gestik erzählt er in breitem Elsässisch (und für die deutschen Gäste nochmal auf Hochdeutsch) die neuesten Schoten. Doch dann wird es auf einmal still in der trauten Runde. Die Frau des Dorfschmieds lässt das Strickzeug sinken, der Jüngste in der Runde nimmt die Gitarre zur Hand, ein Weihnachtslied, das in Frankreich jedes Kind kennt, wird angestimmt: „Petit Papa Noël“. Draußen ist die Dämmerung der schwarzen Nacht gewichen.

Deutsch-französisches Krippenspiel
Auf dem großen Platz vor einer ganzen Gruppe weihnachtlich geschmückter Häuser werden die letzten Vorbereitungen für das große Krippenspiel getroffen. Ein kalter Wind weht. Fast alle verfügbaren Statisten einschließlich Ochs und Esel sind dabei, als Maria mit dem eben in einem alten Eisenbahnwaggon geborenen Jesuskind im Arm neben ihren Josef tritt und alle zusammen „Stille Nacht“ zuerst in französischer und dann in deutscher Sprache singen. Es wird einem ganz warm ums Herz und die Philosophie von Pascal Schmitt klar: Innehalten im Trubel des Alltags und sich einen Moment der Besinnung schenken.

Die Hauptfiguren der elsässischen (Vor-)Weihnachtszeit
Mit leuchtenden Augen verfolgt eine Gruppe von kleinen und großen Kindern, wie die junge Frau in Schürze und Häubchen den Teig ausrollt. Wir befinden uns in der Bäckerei des Ecomusée, in der eigentlich nur elektrische Herde im Hintergrund davon zeugen, dass wir in der Moderne sind und einen Blick zurück ins 19. Jahrhundert werfen dürfen. Der originale Ofen aus dieser Zeit ist nur noch Dekoration. Während die Bäckersfrau, die im wahren Leben Chantal heißt und eigentlich Lehrerin ist, mit kleinen Backförmchen den Teig aussticht, erzählt sie von den Hauptfiguren der elsässischen Weihnachtszeit. In der Nacht zum 6. Dezember kommt wie in Deutschland der Nikolaus. Brave Kinder bekommen Geschenke und feiern mit einer Tasse heißer Schokolade, den „Mannala“, das sind die deutschen Lebkuchenmännchen, und den „Bredele“, so heißen die Weihnachtsplätzchen hier.

Museum Weihnachtsbräuche Elsass

Der Hausierer erzählt Geschichten auf Elsässisch und Deutsch.

Der finstere Hans kommt im Nikolaus-Gefolge
Leider hat der Nikolaus eine gar fürchterliche Gestalt mit langem schwarzen Bart und zerzausten Haaren im Gefolge, den finsteren Hans Trapp. Er ist mit dem deutschen Knecht Ruprecht seelenverwandt und ein wahrer Kinderschreck. Historisches Vorbild war vermutlich der Raubritter Hans von Trotha, der zwischen 1485 und 1545 sein Unwesen in der Umgebung trieb. Für die Kinder ist Hans Trapp „d’r bees“, der Böse, und wer nicht brav war oder sich scheut, ein Gedicht aufzusagen, den nimmt er mit. Weil die Protestanten im 16. Jahrhundert der Meinung waren, dass das Jesuskind und nicht der Nikolaus Kindern Geschenke zu bringen habe, trat das Christkind mit weißem Schleier, vergoldeter Papierkrone oder mit einem mit Kerzen bestückten Kranz auf dem Kopf auf die Bühne. Allerdings konnte es, da es eigentlich in der Krippe lag, nicht selbst die Geschenke bringen. Also ist ihm der Weihnachtsmann an die Seite gestellt worden, der mit rotem Mantel, weißem Pelzbesatz und seinem Rentiergespann ebenfalls am 24. Dezember seinen Auftritt hat.

Weihnachtliche Traditionen
Doch vorher gilt es, die Zeit bis zum traditionellen Besuch der Mitternachtsmesse zu überbrücken. In der guten Stube wird der Weihnachtsbaum geschmückt. Traditionell war der Heilige Abend im Elsass Adam und Eva gewidmet. Die Tanne, der einzige Baum, der im Dezember noch grün ist, symbolisiert den Baum mit den verbotenen Früchten. Im 16. Jahrhundert wird erstmals eine geschmückte Tanne urkundlich erwähnt. Damals hängte man Äpfel daran auf, die Erbsünde, und Oblaten, die Erlösung. Als der Legende nach 1858 eine große Trockenheit in den nördlichen Vogesen und an der Mosel die Ernte vernichtete, machte ein Glasbläser aus Meisenthal aus der Not eine Tugend – und erfand die ersten Christbaumkugel aus Glas. Ist der Baum geschmückt, muss der Hunger gestillt werden. Ein Klassiker sind die Berawecka, die elsässische Version eines Früchtebrots. Bera sind die Birnen, Wecka ist das Brot. Aprikosen, Backpflaumen, Datteln, Orangeat und Zitronat werden mit elsässischem Kirschwasser abgerundet zu einer köstlichen und sättigenden Zwischenmahlzeit. Noch vor der späten Gans oder dem Puter.

Text und Fotos: Solveig Grewe

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Tags:Adventsreisen, Colmar, Elsass, Europa, Frankreich, Museum

Eine Antwort zu “Mit Mannala und Bredele: Advent im Elsass”

  1. Siegfried Frey sagt:

    Der sehr interessante Artikel über das Elsass zur Adventszeit weckt die Begehrlichkeit, auch einmal in dieser Zeit das Elsass zu besuchen. Leider fehlern dazu die entsprechenden „deal“ Angebote

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